bevh und BVDW bringen Wirtschafts- und Verbraucherperspektive in Brüssel zusammen

News, 06.11.2026

Am 5. November 2026 brachten der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh) und der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e. V. in Brüssel Vertreter*innen aus Politik, Wirtschaft und Verbraucherschutz zu einem gemeinsamen politischen Frühstück zusammen. Unter dem Titel „Neue EU-Regeln für E-Commerce und Digitalwirtschaft: Was bedeuten sie in der Praxis?“ diskutierten die Teilnehmenden, wie wirksamer Verbraucherschutz, wettbewerbsfähige digitale Geschäftsmodelle und ein stärkerer europäischer Binnenmarkt zusammen möglich sind.

Gemeinsam für einen stärkeren Digitalen Binnenmarkt

Die Grenzen zwischen E-Commerce und Digitaler Wirtschaft sind zunehmend fließend. Zugleich wirkt die europäische Gesetzgebung immer stärker sektorübergreifend. Regulierung von Plattformen, Werbung, Daten, Personalisierung oder Verbraucherschutz betrifft häufig dieselben Geschäftsmodelle und Wertschöpfungsketten. Für bevh und BVDW ist deshalb klar: Diese Entwicklungen müssen stärker gemeinsam betrachtet und politisch begleitet werden. Dies unterstrichen die beiden Präsidenten der Verbände in ihrer Eröffnung.

Dirk Freytag (BVDW) und Gero Furchheim (bevh) machten die gemeinsame Zielsetzung deutlich: Europa braucht einen stärkeren Digitalen Binnenmarkt, der Verbraucher*innen wirksam schützt und gleichzeitig Raum für legitime, innovative Geschäftsmodelle und Wachstum schafft.

Der europäische Digital-Acquis im Blick

Im Anschluss gab Rita Wezenbeek aus der Direktion CNECT der Europäischen Kommission einen Überblick zur bestehenden und sich weiterentwickelnden europäischen Digital-Acquis. Sie setzte damit den Rahmen für die anschließende Diskussion.

Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, die die europäische Digitalpolitik zunehmend prägt: Wo besteht tatsächlich neuer regulatorischer Handlungsbedarf und wo kommt es vor allem darauf an, bestehende Regeln kohärenter, einfacher und europaweit einheitlicher anzuwenden und durchzusetzen?

Unternehmen erleben Regulierung schließlich nicht als einzelne Rechtsakte, sondern in ihrer Summe. Datenschutz, Plattformregulierung, Verbraucherschutz und KI-Regulierung greifen ineinander. Für einen funktionierenden Digitalen Binnenmarkt ist deshalb entscheidend, dass diese Regeln auch im Zusammenspiel funktionieren.

Wettbewerbsfähigkeit und Verbraucherschutz zusammendenken

Im Panel disktutierten dann Katarina Barley (MdEP der S&D und Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments), Urs Buscke (BEUC) und Ena Salihovic (Zalando) gemeinsam mit Daphne van Doorn (BVDW) und Alien Mulyk (bevh) über Personalisierung und Dark Patterns, Informations- und Einwilligungspflichten, Rechtsdurchsetzung sowie Wettbewerbsfähigkeit und die Verhältnismäßigkeit europäischer Regulierung.

Beim Ziel lagen die Positionen näher beieinander, als es die regulatorische Debatte bisweilen vermuten lässt: Europa braucht einen stärkeren Digitalen Binnenmarkt, Verbraucher*innen müssen wirksam geschützt werden und legitime digitale Geschäftsmodelle müssen Raum für Innovation und Wachstum behalten.

Unterschiedliche Einschätzungen gab es vor allem beim Weg dorthin. Diskutiert wurde, inwieweit zusätzliche gesetzliche Vorgaben erforderlich sind, wo eine konsequentere und einheitlichere Durchsetzung bestehender Regeln ausreicht und wie Doppelregulierung und weitere Fragmentierung vermieden werden können.

Digital Fairness Act wird zum Praxistest

Umso gespannter richtet sich der Blick auf den Vorschlag zum Digital Fairness Act. Die Initiative soll voraussichtlich Fragen rund um Dark Patterns, unfaire Personalisierung und weitere möglicherweise illegale Praktiken im digitalen Verbraucherschutz adressieren. Dabei wird die Umsetzung entscheidend. Denn zur zentralen Debatte gehört die Frage, ob dafür zusätzliche europäische Vorgaben notwendig sind oder stärker auf die Anwendung und Durchsetzung des bestehenden Rechtsrahmens gesetzt werden sollte.

Der Digital Fairness Act wird somit auch zu einem konkreten Test für Europa, wie es Verbraucherschutz, Wettbewerbsfähigkeit und die Stärkung des Digitalen Binnenmarkts künftig zusammenbringen will.

Den gemeinsamen Dialog fortsetzen

Das Format von bevh und BVDW hat gezeigt, wie wichtig der Austausch zwischen Politik, Verbraucherschutz und Wirtschaft ist, wo unterschiedliche Vorstellungen über den richtigen regulatorischen Weg bestehen.