DATA:matters beim Digital-Gipfel — Digitale Wertschöpfung braucht wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen
Zum Auftakt des zweiten Tages des Digital-Gipfels hat der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e. V. Vertreter*innen aus Politik, Verbänden und Digitaler Wirtschaft zusammengebracht. Bei „DATA:matters – Edition Digital-Gipfel“ bei Serviceplan im House of Communication stand im Mittelpunkt, welche Rahmenbedingungen digitale Wertschöpfung und KI jetzt brauchen, damit daraus mehr Innovation, Produktivität und Wachstum entstehen können.
Digitale Wertschöpfung ist Wirtschaftspolitik
Den wirtschaftlichen Ausgangspunkt bildete die BVDW-Studie „Vermessung der Digitalen Wirtschaft“. Sie betrachtet Unternehmen anhand dessen, welchen Stellenwert digitale Technologien tatsächlich für ihre Wertschöpfung haben.
Die Digitale Wirtschaft erwirtschaftet jährlich 481 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung. Rund neun Millionen Menschen arbeiten in der Digitalen Wirtschaft und digital transformierten Branchen. Gemeinsam stehen diese Bereiche für mehr als ein Viertel der gesamtdeutschen Bruttowertschöpfung.
Damit wird deutlich: Wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen für digitale Geschäftsmodelle sind keine sektorale Frage. Sie betreffen den Wirtschaftsstandort insgesamt.
Von Aufbruch zu Wettbewerbsfähigkeit
Impulsgeberin Britta Behrendt, Abteilungsleiterin im Bundeskanzleramt, warb für einen selbstbewussten Blick auf Deutschlands digitale Möglichkeiten. Vom ersten Tag des Digital-Gipfels nahm sie einen deutlichen Aufbruch mit. Politik und Wirtschaft müssten diesen Wandel gemeinsam vorantreiben. Im Mittelpunkt stünden dabei die produktive Nutzung von Daten, die breite Anwendung von KI und die Voraussetzungen dafür, technologische Möglichkeiten in wirtschaftliche Stärke zu übersetzen.
BVDW-Vizepräsident Dr. Moritz Holzgraefe knüpfte in seiner Erwiderung daran mit der Perspektive der Digitalen Wirtschaft an: „Digitale Geschäftsmodelle sind kein Nischenthema einer einzelnen Branche. Sie sind ein horizontaler Wettbewerbsfaktor für unseren Standort. Entscheidend ist, ob es gelingt, Daten und KI in der Breite der Wirtschaft in neue Wertschöpfung zu übersetzen und dafür einen regulatorischen Rahmen zu schaffen, der in der Praxis funktioniert.“
Für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands sei nicht allein entscheidend, wo leistungsfähige KI-Modelle entstehen. Entscheidend sei auch, ob Unternehmen Daten produktiv einsetzen und KI in Prozesse, Produkte und skalierbare Geschäftsmodelle übersetzen können.
Die Summe der Regulierung entscheidet
Damit rückte zugleich die zweite Dimension der Leitfrage in den Mittelpunkt: Wie muss Regulierung gestaltet sein, damit sie Vertrauen und Rechtssicherheit schafft, ohne digitale Wertschöpfung unnötig zu erschweren?
Der Digital Omnibus, der Digital Fitness Check, der Digital Fairness Act und die Weiterentwicklung der Medienregulierung zeigen, dass zahlreiche Regelwerke gleichzeitig auf digitale Geschäftsmodelle einwirken.
Der entscheidende Maßstab ist deshalb nicht jedes einzelne Gesetz für sich. Unternehmen erleben Regulierung in ihrer Summe. Datenschutz, Datenregulierung, Verbraucherschutz sowie Plattform- und Medienregulierung müssen deshalb stärker im Zusammenspiel betrachtet werden. Vereinfachung wird dort konkret, wo Doppelungen zurückgehen, Regeln kohärenter werden und Unternehmen verlässlich investieren, innovieren und skalieren können.
In der anschließenden, von Serkan Agci (Serviceplan) moderierten Fishbowl-Diskussion wurden diese Fragen weiter vertieft. Dabei stand auch die Reform der Datenschutzaufsicht im Mittelpunkt. Der BVDW unterstützt eine Modernisierung und Bündelung der Aufsicht. Ziel muss eine Anwendung sein, die ein hohes Datenschutzniveau mit mehr Rechtssicherheit und verantwortungsvoller Datennutzung verbindet. Behrendt macht dahingehend Hoffnung, dass die nächsten Schritte der Bundesregierung noch vor Weihnachten anstehen.
KI-Nation 2030: vom Zielbild zur Anwendung
Robert Heinrich, Unterabteilungsleiter im Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung, brachte in der offenen Diskussion das am Vortag auf dem Digital-Gipfel vorgestellte Zielbild „KI-Nation 2030“ ein. Im Zentrum stehen messbare Ziele für die deutsche KI-Politik, ein gemeinsamer Kompass statt isolierter Einzelmaßnahmen und der Anspruch, technologischen Fortschritt mit gesellschaftlichem Mehrwert zu verbinden.
Für den BVDW liegt darin eine wichtige Verbindung zur Leitfrage von DATA:matters: Strategische Ambition muss sich in wirtschaftlicher Anwendung niederschlagen. Unternehmen brauchen die Voraussetzungen, um Daten zu nutzen, KI breit einzusetzen und digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln und zu skalieren.
Genau hier treffen die zentralen Diskussionen des Morgens zusammen: Deutschland und Europa brauchen einen kohärenten Rahmen, der technologische Innovation in wirtschaftliche Wertschöpfung übersetzt. Die Vermessung zeigt, welche Bedeutung die Digitale Wirtschaft bereits heute hat. Die wirtschaftspolitische Aufgabe ist nun, ihre Wettbewerbsfähigkeit und ihr Wachstumspotenzial konsequent zu stärken.
