BVDW-Studie: 25 % der Unternehmen in Deutschland sind Teil der Digitalen Wirtschaft
Der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e. V. hat erstmals systematisch die datengetriebene Wertschöpfung in Deutschland erfasst. Gemeinsam mit dem Mannheimer Startup ISTARI.AI führte der Verband eine Studie über den Digitalisierungsgrad der deutschen Unternehmen durch. Erste vorläufige Ergebnisse stellte der BVDW auf seinem gestrigen Parlamentarischen Abend vor: Jedes vierte Unternehmen in Deutschland ist Teil der Digitalen Wirtschaft.
Erstmals systematische Erfassung digitaler Wertschöpfung
„Die Vermessung der Digitalen Wirtschaft zeigt erstmals, dass die Digitale Wirtschaft längst die Breite unseres Wirtschaftsstandorts prägt. Die klassische Einteilung in einzelne Branchen greift im KI-Zeitalter zu kurz. Daten- und Digitalpolitik werden damit zur horizontalen Industriepolitik und zu einer entscheidenden Voraussetzung für Deutschlands Zukunftsfähigkeit“, unterstreicht BVDW-Präsident Dirk Freytag.
Datengetriebene Geschäftsmodelle treiben Produktivität sowie Innovation und sind essenziell für Fortschritt, Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit. Sie prägen die Wertschöpfung heute über fast alle Branchen hinweg. Bisher fehlte eine strukturierte Analyse der Digitalen Wirtschaft. Mit der jetzt durchgeführten Studie liefert der BVDW erstmals Zahlen, Daten und Fakten.
Jedes vierte Unternehmen ist Teil der Digitalen Wirtschaft
Deutschlands Digitale Wirtschaft besteht aus insgesamt 352.600 Unternehmen. Das entspricht rund einem Viertel der Gesamtwirtschaft.
Unterteilt man die Digitale Wirtschaft in ihre Bestandteile, entfallen auf die digitale Kernwirtschaft rund 63.000 Unternehmen. Sie kommt auf vier Prozent. Den größten Anteil haben digital getriebene Geschäftsmodelle, mit zwölf Prozent (etwa 166.000), gefolgt von digital transformierten Branchen mit neun Prozent (knapp 124.000).
KMUs das Rückgrat, große Unternehmen prozentual stärker digitalisiert
Mit Blick auf die Unternehmensgröße stellen Organisationen mit über 250 Mitarbeiter*innen den größten Anteil an der Kernwirtschaft (14 %). Mittelständler (5 %), kleine (7 %) und Micro-Unternehmen (4 %) bewegen sich im einstelligen Prozentbereich.
Nach absoluten Zahlen ist die digitale Kernwirtschaft stark durch kleine (rund 38.000) und Micro-Unternehmen (knapp 28.000) geprägt. Insgesamt versammeln sich in der digitalen Kernwirtschaft und den digital getriebenen Geschäftsmodellen rund 230.000 Unternehmen mit bis zu 249 Mitarbeiter*innen.
Digitale Geschäftsmodelle vor allem in Großstädten präsent
Die Erhebung unterstreicht zudem die Stärke digitaler Wertschöpfung in Großstädten.
Den größten Anteil der digitalen Kernwirtschaft haben die Stadtstaaten Berlin (4.700) und Hamburg (3.000). In der bayerischen Landeshauptstadt versammeln sich rund 2.600 Unternehmen. In Nordrhein-Westfalen dominieren Köln (1.500) und Düsseldorf (1.200).
Die Anatomie der Digitalen Wirtschaft
Die Erhebung des BVDW mit ISTARI.AI zeigt, dass sich die Digitale Wirtschaft nicht anhand traditioneller Branchenlogiken erfassen lässt. Die Studie bewertet Unternehmen nach dem Grad ihrer digitalen Wertschöpfung. Grundlage bildet das OECD-Modell der konzentrischen Kreise, welches an die Struktur der Digitalen Wirtschaft angepasst wurde.
Die digitale Kernwirtschaft bildet dabei das Zentrum. Wertschöpfung erfolgt ausschließlich oder nahezu ausschließlich digital. Es folgen digital getriebene Geschäftsmodelle, bei denen digitale Technologien zentraler Treiber der Wertschöpfung sind. Den äußersten Kreis bilden digital transformierte Branchen, die sich maßgeblich durch digitale Technologien verändern.
„Um die digitale Wirtschaft realitätsnah abzubilden, braucht es zukunftsfähige Messmethoden. Unser Ansatz löst sich von klassischen Industriecodes. Wir analysieren Unternehmen nach dem Grad ihrer digitalen Wertschöpfung – auf Basis von tagesaktuellen Webdaten und vollständig KI-gestützt“, sagt Dr. Jan Kinne, Co-Founder und CEO bei ISTARI.AI, der als Wissenschaftler am ZEW und Harvard tätig ist.
Digitale und datengetriebene Unternehmen sind fester Bestandteil der deutschen Wirtschaft
BVDW-Präsident Freytag unterstrich beim parlamentarischen Abend am 9. Juni den notwendigen Wechsel in der Wirtschaftspolitik: „Die Digitale Wirtschaft ist nicht die Zukunft unserer Wirtschaft. Sie ist längst Gegenwart. Daten- und Digitalpolitik werden damit zur zentralen Voraussetzung für Wachstum, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit.“
Die Gesamtstudie mit ergänzenden Wirtschaftsfaktoren präsentiert der BVDW pünktlich zu seinem Leitevent, der DMEXCO 2026, am 23. und 24. September in Köln.
Methodik der Studie
Die Studie „Vermessung der Digitalen Wirtschaft“ untersucht den Einfluss datengetriebener Geschäftsmodelle auf die Wirtschaftsleistung in Deutschland. Sie umfasst die vom Verband repräsentierte Breite der Digitalen Wirtschaft.
In der ersten Phase identifizierte und analysierte ISTARI Unternehmen KI-gestützt auf Basis öffentlich verfügbarer Webdaten (OSINT), vollständig unabhängig von klassischen Branchencodes. Grundlage ist der Global Organization Index (GOI) mit ca. 1,8 Mio. aktiven Organisationen in Deutschland und über 20 Mio. weltweit. In der Discovery-Phase identifizierte ISTARI.AI hypothesengestützt alle relevanten Akteure für:
- Digitalen Kernwirtschaft: Wertschöpfung erfolgt ausschließlich oder nahezu ausschließlich digital. Leistungserbringung baut vollständig auf dem Internet sowie digitaler Infrastruktur auf.
- Digital getriebene Geschäftsmodelle: Wirtschaftsaktivitäten, bei denen digitale Technologien zentraler Treiber der Wertschöpfung sind, auch wenn Teile der Leistungserbringung nicht-digital erfolgen.
- Digital transformierte Branchen: Unternehmen, deren Prozesse, Produkte oder Geschäftsmodelle durch digitale Technologien maßgeblich verändert wurden, ohne dass Digitalität selbst den Kern der Leistungserbringung darstellt.
Auch nicht-digitale Unternehmen wurden erfasst.
Im Profiling wurde für jedes Unternehmen ein detailliertes Profil mit Informationen zu Geschäftsmodell, Produkten, Standorten und weiteren Merkmalen erstellt.
