BVDW fordert mehr digitale Teilhabe für modernen Jugendschutz
Der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e. V. hat ein Positionspapier zum Jugendschutz im digitalen Raum veröffentlicht. Anlässlich des heutigen Safer Internet Days legt der BVDW darin seine Eckpunkte für einen wirksamen, praxistauglichen und zukunftsfähigen Online-Jugendschutz vor. Ziel des BVDW ist ein digitaler Raum, der Sicherheit garantiert, ohne Informationsfreiheit und gesellschaftliche Teilhabe pauschal einzuschränken.
Gesellschaft befürwortet altersgerechte Selbstbestimmung
Eine aktuelle Civey-Befragung im Auftrag des BVDW zeigt: Die Bevölkerung in Deutschland befürwortet angemessene Schutzmaßnahmen und setzt auf Befähigung, um Kinder und Jugendliche im Internet wirksam zu schützen. Dies zeigt sich in allen Altersgruppen und Haushaltskonstellationen.
Die Befragten sprechen sich am häufigsten für altersgerechte Funktionsanpassungen (58 Prozent) aus. Zudem befürwortet jede*r Zweite, Digitalkompetenzen zu fördern (50 Prozent). Auch altersgerechte digitale Angebote erhalten breite Zustimmung (46 Prozent).
Lediglich ein Viertel (26 Prozent) hält hingegen ein generelles Nutzungsverbot für eine wirksame Maßnahme, um Kinder und Jugendliche im Internet zu schützen. Dieser Wert ist bei Personen mit Kindern im Haushalt sogar noch geringer (21 Prozent).
„In einer digitalen Welt braucht es für Kinder und Jugendliche praktikable, nachhaltige und anschlussfähige Konzepte. Sie müssen die Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellen und sollten konsequent digitale Kompetenzen stärken“, sagt BVDW-Präsident Dirk Freytag. „Statt undurchsetzbarer Verbote brauchen Kinder und ihre Eltern echte Lösungen. Die Digitale Wirtschaft ist sich dieser Verantwortung bewusst.“
Für den BVDW sind hierbei zwei zentrale Säulen essenziell:
Säule 1: Rechtssicherheit durch europäische Harmonisierung
Schutzmaßnahmen müssen sich am tatsächlichen Risiko orientieren: In besonders sensiblen Bereichen wie Pornografie oder Glücksspiel sind strikte Altersverifikationen erforderlich. In risikoärmeren Umgebungen sollten hingegen weniger invasive Alternativen zum Einsatz kommen. Gleichzeitig ist Technologieneutralität notwendig, um praktikable Lösungen zu ermöglichen, die wirksam sind, Daten minimieren und keine neuen Diskriminierungsrisiken schaffen.
Der bereits bestehende Rechtsrahmen in Deutschland und Europa bietet hierfür eine solide Grundlage. Der Digital Services Act stärkt den Schutz Minderjähriger durch klare Vorgaben zu Sicherheit, Privatsphäre und Inhaltsmoderation. Ein einheitliches europäisches Vorgehen, insbesondere gemäß Art. 28 DSA, schafft Sicherheit für Nutzende und verhindert einen Flickenteppich nationaler Sonderwege.
Der BVDW fordert in seinem Positionspapier deshalb:
- Rechtliche Rahmenbedingungen für Sicherheit im Netz
- Technologieneutralität und verhältnismäßige Altersverifikationslösungen
- Inhalte-Moderation und Verantwortung der Plattformen
Säule 2: Schutz durch Befähigung
Technische Schutzsysteme reichen allein jedoch nicht aus. Langfristige Sicherheit entsteht durch Medienkompetenz. Kinder und Jugendliche müssen befähigt werden, digitale Risiken zu erkennen und Inhalte eigenständig einzuordnen. Programme wie „klicksafe“ oder die europäische Strategie „Better Internet for Kids+“ leisten hierzu einen zentralen Beitrag.
Zudem darf wirksamer Jugendschutz nicht auf pauschalen Ausschluss setzen, sondern muss altersgerechte Nutzung ermöglichen. Soziale Medien sollten Schutzmechanismen bieten, die Sicherheit gewährleisten und zugleich schrittweise Selbstständigkeit fördern.
Für den BVDW braucht es folglich:
- Konsequente Förderung von Digital- und Medienkompetenz
- Jugendschutz durch klare Grenzen und echte Teilhabe
Jugendschutz zukunftssicher gestalten
Jugendschutz wird in Zukunft nur erfolgreich sein, wenn er digitale Teilhabe konsequent stärkt. Transparente Regeln, altersgerechte Funktionen und sichere Meldewege schaffen Räume, in denen Kinder und Jugendliche eigenständig lernen, sich im Netz zu bewegen. So verbinden sich Schutz, Bildung und selbstbestimmte Entwicklung im digitalen Raum.
Methodische Hinweise zur Umfrage
Die Umfrage wurde von Civey im Auftrag des BVDW vom 3.2.2026 bis 4.2.2026 durchgeführt. Es wurden 2.500 Bundesbürger*innen ab 18 Jahren online zur Frage „Welche Maßnahmen sind Ihrer Meinung nach am wirksamsten, um Kinder und Jugendliche im Internet zu schützen?“ befragt. Mehrfachantworten waren möglich. Die Ergebnisse sind aufgrund von Quotierungen und Gewichtungen repräsentativ, unter Berücksichtigung des statistischen Fehlers von 3,5 Prozentpunkten beim jeweiligen Gesamtergebnis.
