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Welttag der Pflege: „Die Barrieren im Kopf abbauen“

Während die Digitalisierung bereits einen Großteil alltäglichen Lebens beeinflusst, stehen im Bereich Pflege die größten Veränderungen noch bevor. Alexander Burger (vitacare), Leiter des neu gegründeten Labs „Pflege Digital“ im BVDW, erklärt zum Welttag der Pflege am 12. Mai, warum digitale Pflege zu einer insgesamt besseren Versorgung führt, inwiefern Datenschutz eine Rolle spielt und welche Hindernisse es noch zu überwinden gilt. 

 

Warum ist es wichtig, dass sich der BVDW als Verband damit auseinandersetzt? 

Alexander Burger: „Als branchenführender Verband beschäftigt sich der BVDW seit jeher mit wesentlichen Wirtschaftsthemen und Digitalisierungsansätzen, vor allem auch mit dringlichen gesellschaftlichen Prozessen und Arbeitsmarktthemen wie dem Pflegebereich, der zunehmend in den Fokus rückt. Die Pflegesituation mit steigenden Fallzahlen ist eine der größten Herausforderungen für unsere Gesellschaft, letztlich auch wegen des demographischen Wandels. Außerdem definieren wir zunehmend den Familienbegriff in einem umfassenderen Sinne. Da der BVDW ein relevanter Meinungsträger ist, der frühzeitig wesentliche Trends aufgreift, möchten wir über den Verband für das Thema Pflege sensibilisieren und auf digitale Lösungen zur Pflegeunterstützung aufmerksam machen.“

Was sind die größten Potenziale einer digitalen Pflege für den deutschen Markt?

Alexander Burger: „Digitale Lösungen für Angehörige in Verbindung mit persönlicher Beratung und Unterstützung bringen allen Beteiligten viele Vorteile: Etwa eine Zeitersparnis bei der Recherche, unabhängige Beratung und Lösungsansätze abseits fester Öffnungszeiten, also zeitliche und örtliche Unabhängigkeit. Vor allem jedoch wird die gewünschte Zugangsart respektiert, also unter anderem der anonyme Zugang. Mit einem niedrigschwelligen Einstieg lassen sich Fragen individuell leichter strukturieren. Vor allem eines ist überzeugend: Digitale Systeme lassen sich leicht in den Alltag integrieren, der Arbeitssituation und Informationsgewinnung sowie der individuellen Organisation und der persönlichen Kommunikation anpassen. Die Pflegebedürftigen wiederum profitieren von der Transparenz der Versorgung und einer leichteren Aufteilung der Aufgaben sowie von einer verbesserten Versorgung. Ein wichtiger Faktor ist, dass pflegende Angehörige sich leichter abstimmen können und besser informiert sind. Außerdem achten sie langfristig besser auf ihre eigene Gesundheit.“

Was sind die größten Herausforderungen? Welche Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden? 

Alexander Burger: „Zuallererst: Das Thema Pflege muss aus der Tabuzone geholt werden. Über kurz oder lang können wir uns aber gar nicht mehr über Akzeptanzprobleme unterhalten, denn der reale Alltag holt uns viel zu schnell ein. Allerdings gilt es, gerade zu Beginn einer gesellschaftlichen Diskussion, die Barrieren abzubauen – sowohl die ‚im Kopf‘ als auch reale. Dazu gehören unbedingt ein transparenter Umgang mit dem Thema Datenschutz und eine offene Qualitätsdiskussion. Wesentlich sind auch die Schnittstellen zwischen den verschiedenen Anbietern und Marktteilnehmern. Der Gesetzgeber ist in der Pflicht, die Unterstützung für pflegende Angehörige weiter auszubauen und mehr zu informieren. Zu guter Letzt – und das liegt mir besonders am Herzen – geht es wie in vielen anderen digitalen Märkten darum, verlässliche Standards zu schaffen.“

12.05.2016 / Tim Sausen / Pressesprecher Wirtschaft und Politik
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