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PSD2: Drei Fragen an Adrian Brosterhues-Niedziolka

Bild links: SARINYAPINNGAM / iStockphoto, rechts: Adrian Brosterhues-Niedziolka

Die neue Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 wird ab dem 14. September verbindlich. Was sie für Händler bedeuten könnte, erklärt Adrian Brosterhues-Niedziolka (Creditreform Boniversum), Stellvertretender Vorsitzender der Fokusgruppe Digital Commerce im BVDW.

1. Was sind die wichtigsten Änderungen durch PSD2?

Die PSD2 selbst sollte heute eigentlich keine wirkliche Änderung darstellen, da diese ja bereits 2017 im Gesetz zur Umsetzung der Zweiten Zahlungsdiensterichtlinie aufgegangen ist. Lediglich die Umsetzung der starken Kundenauthentifizierung (SCA) im Zahlungsverkehr stellt eine Änderung beziehungsweise Neuerung dar. Hierfür hat die EU-Kommission lange an den regulatorischen technischen Anforderungen (RTS) für die starke Kundenauthentifizierung gearbeitet. Eben diese RTS wurden im Frühjahr 2018 veröffentlicht und die Verordnung gilt verbindlich ab dem 14. September 2019.

2. Sind Verbraucher und Wirtschaft bereit für PSD2?

Ich glaube nicht. Der Handel hat lange versucht, PSD2 zu verdrängen beziehungsweise eine Veränderung oder einen Aufschub für die Anforderungen der SCA zu erwirken. Technisch sind die regulatorischen technischen Anforderungen umsetzbar und natürlich auch sinnvoll. Nur leider wirkt sich insbesondere die Zwei-Faktor-Authentifizierung im ansonsten weitestgehend Nutzerlebnis-optimierten Digital Commerce als Störkörper aus. Der Nutzer muss sich zukünftig bei vielen Zahlarten anhand von zwei Faktoren aus den Kategorien Wissen, Besitz oder Eigenschaften authentifizieren. Ich denke, dass viele Privatkunden erstmal überfordert sein werden mit den zusätzlichen Autorisierungsmechanismen und den vielen nicht transparenten Ausnahmeregelungen der RTS. Der Start der Umsetzung der RTS der SCA wird die Konversionsraten bei vielen Händlern verringern. Das wird dem Digital Commerce insgesamt für eine gewisse Zeit schaden. Da Rechnung und Lastschrift als Zahlverfahren nicht betroffen sind, werden vor allem größere Händler oder Plattformen beziehungsweise Marktplätze, die entsprechende Prozesse etabliert haben, und das Risiko steuern können, darauf umsteigen oder ihr Zahlartenangebot hierauf verstärkt ausrichten.

3. Was rätst du Händlern und Dienstleistern jetzt?

Jedermann, der sich bisher noch nicht mit dem Thema „PSD2“ beschäftigt hat, sollte sich sehr zeitnah intensiv hiermit auseinandersetzen und die Risiken für seine Prozesse und sein Geschäftsmodell zu prüfen. Die Abwicklung im Zahlungsverkehr ist sehr facettenreich. Eigentlich beginnt diese bereits im Marketing, beinhaltet ein Risikomanagement und endet im Bezahlverfahren. Daher rate ich im ersten Schritt, das Gespräch mit der Hausbank und dem Dienstleister für den Zahlungsverkehr zu suchen und eine Strategie für die Umsetzung der RTS der SCA zu entwickeln. Im zweiten Schritt sind die Auswirkung der PSD2 auch für alle weiteren Geschäftsprozesse zu bewerten und gegebenenfalls anzupassen.

Die nächste Sitzung der Fokusgruppe Digital Commerce findet am 18. Juni in Berlin statt. Anmeldungen sind bei Ricarda Wagner unter wagner[at]bvdw.org möglich.

17.04.2019 / Daniel Borchers / Pressesprecher Marketing und Handel
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